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KI-Anwendungsfälle identifizieren

Reale Arbeit beobachten, bevor ein KI-Anwendungsfall entsteht

So untersuchen Teams reale Arbeitsabläufe, prüfen Engpässe mit mehreren Evidenzquellen und entscheiden erst danach über einen begrenzten KI-Test.

Zwei Kolleginnen übergeben sich an einem hellen Bürotisch eine beige Aktenmappe zwischen Unterlagen und einem offenen blauen Ordner.

Eine Beschwerde ist ein Forschungsansatz, aber noch kein KI-Anwendungsfall. Wenn ein Operations-Team sagt, Kunden-Onboarding-Briefings dauerten zu lange, liegt ein Zusammenfassungsassistent scheinbar nahe. Ein aus der Erinnerung gezeichneter Ablauf lässt das Schreiben als Problem erscheinen. Reale abgeschlossene Fälle können jedoch zeigen, dass schwierige Briefings auf fehlende kommerzielle Entscheide warten und nach der Klärung widersprüchlicher Angaben neu geschrieben werden. Wer nur die sichtbare Formulierungsarbeit automatisiert, lässt den eigentlichen Engpass bestehen. Gute Discovery grenzt deshalb reale Arbeit ein, verbindet mehrere partielle Evidenzquellen und hält Gegenbeispiele fest, bevor sie eine Intervention auswählt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Beschwerde ist ein Forschungsansatz und noch kein belegter KI-Anwendungsfall.
  • Untersuchen Sie einen klar begrenzten Ausschnitt realer, wiederkehrender Arbeit.
  • Interviews, Beobachtungen, Arbeitsmittel, Tagebücher und Betriebsdaten liefern unterschiedliche Teilansichten.
  • Eine belastbare Engpasshypothese benennt Wiederholung, Ort, Folge, Mechanismus, Gegenbelege und Veränderbarkeit.
  • Vergleichen Sie KI mit Regeln, besserer Information, klarer Verantwortung, Prozessänderungen, Schulung und Nichtstun.

Was muss vor der Beobachtung eines Arbeitsablaufs festgelegt sein?

Zwei Kollegen ordnen Ausdrucke und farbige Mappen zu einem von links nach rechts verlaufenden Ablauf mit kleinen schwarzen Pfeilen.

Vor der Beobachtung braucht der Arbeitsablauf eine vorläufige, überprüfbare Grenze. Halten Sie Auslöser, Endzustand, Ergebnis, nachgelagerte Nutzer, beteiligte Rollen sowie Routine- und Ausnahmefälle fest. Formulieren Sie zudem die Fragen, welche die Feldrunde beantworten soll: Wo entstehen Übergaben, welche Informationen fehlen, wodurch variiert die Arbeit und woran wird ein akzeptiertes Ergebnis erkannt? Beginnen Sie mit wiederkehrender Arbeit und echten Unterlagen, nicht mit der offenen Frage, wo das Team KI einsetzen könnte. Die Grenze darf sich verschieben, wenn die Untersuchung relevante Abhängigkeiten davor oder danach sichtbar macht.

Beim Onboarding-Beispiel reicht der Ausschnitt vom genehmigten Sales-Handoff bis zu einem Briefing, das die Delivery-Verantwortlichen akzeptieren. Einbezogen werden vollständige Routinefälle, unvollständige Übergaben und Fälle mit geändertem Umfang. Danach wählen Sie die kleinste Evidenzmischung, die Ihre Forschungsfragen beantworten kann. Das hier beschriebene Vorgehen ist eine praktische Synthese, kein vorgeschriebenes Standardprotokoll. Nicht jeder Ablauf benötigt alle Methoden, und mehr Erhebung bedeutet nicht automatisch bessere Evidenz.

  • Grenze: Auslöser, Ende, Ergebnis und nachgelagerte Nutzung
  • Abdeckung: Rollen, Übergaben sowie Routine- und Ausnahmefälle
  • Fokus: offene Fragen zu Variation, Information, Entscheiden und Folgen
  • Plan: geeignete Interviews, Beobachtungen, Arbeitsmittel, Tagebücher oder Aufzeichnungen

Wie zeigen Interviews zu einem kürzlich abgeschlossenen Fall, was tatsächlich geschah?

Ein Mann zeigt auf eine Seite in einem offenen Ordner, während eine Frau neben einem Laptop und losen Unterlagen Notizen macht.

Interviews werden konkret, wenn eine Person einen kürzlich abgeschlossenen Fall Schritt für Schritt rekonstruiert. Beginnen Sie beim Auslöser: Was traf ein, was geschah danach, welcher Entscheid folgte und an wen ging die Arbeit weiter? Fragen Sie nach dem akzeptierten Ergebnis und dem Moment, an dem der Fall vom erwarteten Weg abwich. Offene Formulierungen wie «Was geschah als Nächstes?», «Woran haben Sie das erkannt?» oder «Können Sie mir das verwendete Dokument zeigen?» fördern Details, ohne eine gewünschte Antwort oder bereits eine KI-Funktion vorzugeben.

  1. Den konkreten Auslöser und die eingegangenen Informationen bestimmen.
  2. Aktionen, Entscheide und Übergaben in ihrer tatsächlichen Reihenfolge rekonstruieren.
  3. Hinweise, Informationsbedarf, Unsicherheit und verworfene Alternativen erfragen.
  4. Verwendete Arbeitsmittel und Zwischenstände zeigen lassen.
  5. Abweichungen, Nacharbeit und das schliesslich akzeptierte Ergebnis festhalten.

Diese Nachfragen erfassen auch kognitive Arbeit: schwierige Beurteilungen, relevante Signale und Unsicherheit, die eine Liste sichtbarer Schritte auslassen kann. Sie sind jedoch kein formales ACTA-Protokoll. Rekonstruieren Sie im Beispiel mindestens einen unkomplizierten und einen schwierigen Fall mit Personen aus Koordination, Sales Operations und Delivery, damit Übergaben nicht nur aus einer Rolle beschrieben werden. Gespräche in kleinen Gruppen oder zusammen mit einer Demonstration können Widersprüche klären. Ein einzelner Fall bleibt anschaulich, aber nicht repräsentativ.

Was ist zu beobachten, wenn Arbeit in ihrer normalen Umgebung stattfindet?

Eine Frau legt eine weisse Karte in eine umfangreiche Kundenakte, während ihre Kollegin zusieht und in einen Spiralblock schreibt.

Beobachten Sie die Arbeit mit den üblichen Geräten, Dokumenten, Daten, Unterbrechungen und Abhängigkeiten. Achten Sie darauf, wann jemand Quellen wechselt, wartet, Angaben prüft, Arbeit wiederholt, Unterstützung sucht oder unvollständige beziehungsweise widersprüchliche Informationen beurteilt. Notieren Sie auch Umgehungslösungen und Tätigkeiten ausserhalb des offiziellen Systems. Legen Sie den Beobachtungsmodus offen fest: Stilles Zuschauen schützt den natürlichen Ablauf eher, lässt Beweggründe aber offen; gelegentliche Fragen liefern Kontext; eine laufende Erklärung schafft Tiefe, verändert jedoch die Tätigkeit stärker.

  • Fallkontext und beobachtete Aktion
  • Verweis auf das verwendete Arbeitsmittel
  • Entscheid, Unsicherheit oder Informationslücke
  • Übergabe, Unterbrechung oder Wartephase
  • sichtbare Folge für den Fall
  • getrennt davon: Interpretation der Forschenden

Gestalten Sie die Feldrunde ausdrücklich als Untersuchung des Arbeitsablaufs, nicht als Bewertung einzelner Mitarbeitender. Die Teilnahme muss informiert sein; zusätzlicher Aufzeichnung ist erneut zuzustimmen, und erhobene Personendaten sind sicher zu behandeln. Sammeln Sie nur Evidenz, die für die Forschungsfrage erforderlich ist, beschränken Sie den Zugriff und beziehen Sie je nach Kontext die zuständigen Datenschutz-, Sicherheits-, Rechts-, Arbeits-, Accessibility- und Facheigner ein. Lassen Sie die beobachtete Person den rekonstruierten Ablauf am Schluss bestätigen oder korrigieren. Auch danach bleibt die Beobachtung eine kleine, interpretative Stichprobe und kein objektives Bild der gesamten Belegschaft.

Welche Evidenzmethoden zeigen, was Interviews oder Beobachtungen verpassen?

Eine Forscherin sortiert Ausdrucke und pastellfarbene Haftnotizen rund um grosse Trennmappen auf einem breiten Arbeitstisch.

Arbeitsmittel, kurze Aufgabentagebücher und betriebliche Aufzeichnungen erweitern den Blick über Gespräch und Momentbeobachtung hinaus. Lassen Sie sich Vorlagen, Checklisten, Tabellen, Nachrichten, Entwürfe, Notizen und Queue-Ansichten erklären. Formate, Markierungen und Anordnungen können Prioritäten, Gedächtnisstützen und Koordinationsregeln zeigen, die im offiziellen Prozessbild fehlen. Ihre Bedeutung darf aber nicht erraten werden: Klären Sie mit den Nutzenden, wie und in welchen Fällen das Arbeitsmittel tatsächlich eingesetzt wird.

Kurze Tagebucheinträge eignen sich, wenn relevante Aufgaben verteilt oder nur gelegentlich auftreten; sie bleiben selbst berichtete Evidenz und brauchen häufig eine spätere Klärung. Nutzbare Fall-, Aktivitäts- und Zeitdaten können Wiederholung, Warten, Nacharbeit, doppelte Behandlung, Abweichungen und Qualitätsprobleme sichtbar machen. Dokumentieren Sie gleichzeitig, was ausserhalb der erfassten Systeme geschieht. Zeitstempel zeigen nicht automatisch, warum eine Verzögerung entstand. Ungewöhnliche Fälle gehören nicht vorschnell in den Ausschuss: Prüfen Sie zuerst ihren Aufwand und ihre Folgen.

Fünf partielle Sichtweisen auf denselben Arbeitsablauf
EvidenzmethodeWas sie zeigen kannWas sie verpasstWie sie abgesichert wird
Interview zu einem jüngeren FallErlebnis, Reihenfolge, Entscheide, Unsicherheit und ÜbergabenVergessene oder implizite Schritte; unklare WiederholungArbeitsmittel zeigen lassen und mit Kontrastfällen vergleichen
KontextbeobachtungWerkzeuge, Unterbrechungen, Umgehungslösungen und UnterstützungSeltene Ereignisse; Verhalten ohne beobachtbare BegründungModus protokollieren und Rekonstruktion bestätigen lassen
ArbeitsmittelStatus, Priorität, Gedächtnisstützen und KoordinationBedeutung, Nutzungshäufigkeit und EntstehungsgrundVerwendung am konkreten Fall erklären lassen
Kurzes AufgabentagebuchReale Instanzen über die Zeit und zeitnahe ErfahrungNicht berichtete Ereignisse und ErinnerungslückenEinträge in einem Folgegespräch klären
Betriebliche AufzeichnungenWartezeiten, Varianten, Nacharbeit und wiederkehrende MusterOffline-Arbeit, Motive und uneinheitliche FalldefinitionenMit Beobachtung, Arbeitsmitteln und Praktikerwissen abgleichen

Wann wird ein berichtetes Problem zu einer glaubwürdigen Engpasshypothese?

Ein Forschungsteam vergleicht Reihen farbiger Fallmappen und verschiebt runde Holzmarker zwischen ihnen, neben hölzernen Ablaufpfeilen.

Ein berichtetes Problem wird zur glaubwürdigen Engpasshypothese, wenn mehrere passende Fälle oder Evidenzquellen dieselbe Einschränkung an einem bestimmbaren Ort zeigen und mit einer beobachtbaren Folge verbinden. Das ist noch kein Kausalnachweis. Prüfen Sie die Interpretation mit den Personen, die den Ablauf ausführen, und bewahren Sie Fälle auf, in denen das Problem nicht auftritt. Der folgende Sechs-Fragen-Test ist eine redaktionelle Entscheidungsregel, kein statistisches Verfahren und kein Ersatz für einen gezielten Versuch.

  1. Wiederholung: Erscheint dieselbe Einschränkung in mehr als einem relevanten Fall, einer Rolle oder Quelle?
  2. Ort: Wo treten Warteschlange, Informationslücke, Nacharbeit oder überlastete Beurteilung in den Ablauf ein?
  3. Folge: Ist das Muster mit Verzögerung, wiederholter Bearbeitung, Korrektur, inkonsistentem Ergebnis, vermeidbarem Aufwand oder Risiko verbunden?
  4. Mechanismus: Erklärt eine plausible, von Praktikern geprüfte Verbindung, wie die Einschränkung zur Folge beitragen könnte?
  5. Gegenbelege: Welche Fälle vermeiden das Problem, was ist dort anders und welche alternativen Erklärungen bleiben?
  6. Veränderbarkeit: Könnte eine Intervention die Folge beeinflussen, und ist KI geeigneter als eine Regel, klarere Verantwortung, bessere Information, Schulung oder keine Änderung?

Im Onboarding-Beispiel verschiebt sich die Hypothese vom langsamen Zusammenfassen zu fehlenden Entscheiden und widersprüchlichen Feldern in schwierigen Fällen. Routinebriefings werden rasch abgeschlossen, längere Briefings sind nicht durchgehend langsamer, und Systemzeitstempel erfassen die Klärung ausserhalb des Systems nicht. Diese Gegenbelege entwerten die Beschwerde nicht. Sie begrenzen die Schlussfolgerung und zeigen, welche Annahme der nächste kleine Test unterscheiden muss.

Fragen Sie erst, wo KI passt, wenn Ort, Folge und Unsicherheit des wiederkehrenden Engpasses sichtbar sind.

Was gehört auf eine evidenzbasierte KI-Chancenkarte?

Eine Gruppe von Kollegen betrachtet ein leeres Blatt zwischen getrennten Stapeln unterstützender und widersprüchlicher Fallunterlagen.

Eine evidenzbasierte KI-Chancenkarte ist ein begrenzter Entscheidungsnachweis, keine Verkaufsvorlage für eine bereits gewählte Lösung. Sie verbindet die Ablaufgrenze und beobachtete Stichprobe mit dem berichteten Problem, dem beobachteten Muster und dessen betrieblicher Folge. Substanzielle Aussagen erhalten Verweise auf Feldnotizen, bereinigte Arbeitsmittel, Tagebucheinträge oder Abfragen; unbelegte Punkte werden als Annahmen bezeichnet. Gegenbelege, Lücken, abweichende Erklärungen und Meinungsverschiedenheiten bleiben sichtbar, statt in einem einzigen Vertrauenswert zu verschwinden.

  • Ablaufgrenze: Auslöser, Ende, Ergebnis, Rollen und nachgelagerte Nutzer
  • Stichprobe: Zeitraum, Fallarten, vertretene Rollen und Methodenmischung
  • Evidenz: berichtetes Problem, beobachtetes Muster, Folge und genaue Referenzen
  • Unsicherheit: Gegenbelege, Lücken, alternative Erklärungen und ausdrücklich markierte Annahmen
  • Chance und Grenzen: unterstützte Person, begrenzte Aufgabe, gewünschtes Ergebnis, verfügbare Information, Datenqualität, Berechtigungen, Sicherheit, Datenschutz, Arbeit, Accessibility und menschliche Aufsicht
  • Entscheid: KI-Hilfe, deterministische Regel, Prozess- oder Verantwortungsänderung, Schulung, bessere Information, keine Intervention oder weitere Untersuchung
  • Nächster Test: geprüfte Annahme, passende Fälle, Erfolgs- und Misserfolgsevidenz, verantwortliche Person und Überprüfungstermin

Für das Onboarding sollte der erste Test obligatorische Eingabefelder, eine eindeutige Verantwortung für die Sales-Übergabe und eine sichtbare Ausnahme-Queue prüfen. Erst bei sachlich vollständigen Fällen wäre eine begrenzte Schreibhilfe als separate Hypothese sinnvoll. Dokumentieren Sie Zweck, Nutzer, Einsatzumfeld, erwarteten Nutzen, Grenzen, Auswirkungen und menschliche Verantwortung und vergleichen Sie alle Optionen anhand derselben Arbeitsevidenz. Das Ergebnis lautet stets eines von vier Dingen: KI testen, eine Nicht-KI-Änderung testen, mehr Evidenz sammeln oder stoppen. Bei sensiblen Informationen und folgenreichen Entscheiden sind die zuständigen Fachstellen und qualifizierte Beratung einzubeziehen.

Häufige Fragen zur Beobachtung realer Arbeit

Wie findet ein Unternehmen einen guten KI-Anwendungsfall?

Grenzen Sie wiederkehrende Arbeit ein und prüfen Sie reale Fälle, Rollen, Übergaben und betriebliche Folgen. Beschreiben Sie Unsicherheiten und vergleichen Sie KI mit einfacheren Alternativen, bevor Sie einen kleinen kontrollierten Test vorschlagen.

Was unterscheidet ein Problem von einer KI-Chance?

Ein Problem ist eine gültige Schilderung von Frustration oder Aufwand. Eine KI-Chance ist zusätzlich auf eine Aufgabe begrenzt, durch Wiederholung, Ort und beobachtbare Folge gestützt und gegen Nicht-KI-Interventionen geprüft.

Wie lassen sich Mitarbeitende beobachten, ohne Überwachung zu schaffen?

Rahmen Sie die Untersuchung als Ablauf- statt Leistungsevaluation und sichern Sie informierte Teilnahme. Erheben Sie nur notwendige Evidenz, beschränken Sie Zugriffe, legen Sie den Beobachtungsmodus offen und lassen Sie Teilnehmende die Rekonstruktion korrigieren.

Braucht jeder Arbeitsablauf Interviews, Job Shadowing, Tagebücher, Arbeitsmittel und Prozessdaten?

Nein. Wählen Sie die kleinste Kombination, welche die Forschungsfrage beantwortet und bekannte blinde Flecken ausgleicht. Das Vorgehen ist eine praktische Synthese und kein universelles Pflichtprogramm.

Kann Workflow-Beobachtung beweisen, dass ein Engpass Verzögerungen verursacht?

Nein. Beobachtungen und Betriebsdaten können eine plausible Engpasshypothese stützen, beweisen aber keine Ursache. Bewahren Sie Gegenbelege und alternative Erklärungen auf und führen Sie den kleinsten unterscheidenden Test durch.

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Redaktion von ModelFold

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